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Diabetes Folgeerkrankungen: 12 häufige (Spät)folgen

Sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetes können bei dauerhaft zu hohen Blutzuckerwerten dieselben Organe schädigen und zu denselben Folgeerkrankungen führen.

Besonders häufig sind:

  1. Augenerkrankungen
  2. Schlaganfälle
  3. Niereninsuffizienz
  4. Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  5. Diabetischer Fuß
  6. Nervenfunktionsstörungen
Grafik zu Diabetes-Folgeerkrankungen: Augenerkrankungen, Schlaganfall, Niereninsuffizienz, koronare Herzkrankheit, Herzschwäche, Herzinfarkt, diabetischer Fuß und Nervenfunktionsstörungen.

Weitere Folgeerkrankungen, bei denen ein Zusammenhang mit Diabetes besteht oder vermutet wird, sind:

  1. Zahnfleischentzündung und Parodontitis
  2. Lungenerkrankungen
  3. Fettleber
  4. Sexuelle Funktionsstörungen
  5. Psychische Erkrankungen
  6. Krebs

Bei Typ-2-Diabetes treten Folgeerkrankungen aus zwei Gründen häufiger und früher auf.

Erstens wird Typ-2-Diabetes oft spät erkannt. Dadurch sind die Blutzuckerwerte lange erhöht, ohne dass dies behandelt wird.

Zweitens liegen bei Typ-2-Diabetes oft Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen vor. Diese beeinträchtigen die Gesundheit zusätzlich.

Besuchen Sie die roten Infobusse der Aufklärungsinitiative „Herzenssache Lebenszeit“, um sich über Diabetes zu informieren.

Sprechen Sie zudem mit Ihrem Arzt darüber, wie Sie Ihr Risiko reduzieren können. Oft macht sich Typ-2-Diabetes erst Jahre später durch eine Folgeerkrankung bemerkbar. Eine möglichst frühe Diagnose im Rahmen eines Gesundheits-Checks bei Ihrem Arzt ist daher wichtig.

1) Augenerkrankungen bei Diabetes

Lang anhaltende erhöhte Blutzuckerwerte können die feinen Gefäße der Netzhaut schädigen. Das wird diabetische Retinopathie genannt.

Diabetische Retinopathie äußert sich in Sehbeschwerden und kann zu Erblindung führen.

Bei 25 %1 der Menschen mit Typ-1-Diabetes tritt im Laufe ihres Lebens eine diabetische Retinopathie auf.

Bei 12,5 %1 der Menschen mit Typ-2-Diabetes tritt im Laufe ihres Lebens eine diabetische Retinopathie auf.

2) Schlaganfälle

Lang anhaltende erhöhte Blutzuckerwerte können dazu führen, dass die Gefäßwände immer dicker werden, sodass das Blut nicht mehr ungehindert hindurchfließen kann.

An diesen Verdickungen lagern sich Blutfette leichter ab, wodurch sich die Gefäße zusätzlich verengen.

Das begünstigt die Entwicklung von Blutgerinnseln. Wenn die Blutgerinnsel ins Gehirn gelangen, kommt es zu einem Schlaganfall.

Für Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes ist das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, zwei- bis dreimal2 höher als bei gesunden Menschen.

3) Chronische Nierenerkrankung

Lang anhaltende erhöhte Blutzuckerwerte können die feinen Blutgefäße in den Nierenkörperchen schädigen.

Dadurch werden die Gefäßwände durchlässiger und es werden vermehrt auch Eiweiße über den Urin ausgeschieden.

Durch diese Veränderungen verschlechtern sich die Durchblutung und die Funktion der Niere. Das wird chronische Nierenerkrankung genannt.

Eine Niereninsuffizienz kann zu folgenden Beschwerden führen:

  • Juckreiz
  • Müdigkeit und/oder Schlafstörungen
  • Verminderte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit
  • Muskelkrämpfe
  • Vermehrte Wassereinlagerung in den Beinen, Füßen und um die Augen (Ödeme)
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit, Erbrechen

Laut Schätzungen entwickeln 30 %3 der Menschen mit Typ-2-Diabetes eine Niereninsuffizienz.

Laut Schätzungen entwickeln 42 %3,4 der Menschen mit Typ-2-Diabetes eine Niereninsuffizienz.

4) Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigsten Folgeerkrankungen bei Menschen mit Diabetes.

Sie werden durch Ablagerungen von Fetten, Cholesterin, Kalk und Bindegewebe an der Innenwand von Blutgefäßen verursacht und können zu folgenden Erkrankungen führen:

  • Herzschwäche
  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall

35 %5 der Menschen mit Typ-1-Diabetes sterben an einer Herz-Kreislauferkrankung.

75 %5 der Menschen mit Typ-2-Diabetes sterben an einer Herz-Kreislauferkrankung.

Es ist aber möglich, dieses Risiko durch einen gesunden Lebenswandel (ausgewogene Ernährung, normales Körpergewicht, viel Bewegung) stark zu senken.

Z. B. kann durch eine gesunde Ernährung das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung um 40–65 % reduziert werden.

5) Diabetischer Fuß

Lang anhaltende erhöhte Blutzuckerwerte können die Nerven und den Blutfluss im Fuß schädigen. Dadurch spüren Menschen mit Diabetes die Wunden weniger und sie heilen schlechter. Das wird diabetisches Fußsyndrom genannt.

Wenn die Wunden nicht rechtzeitig behandelt werden, können sie sehr tief und groß werden. Im schlimmsten Fall müssen Zehen oder der gesamte Fuß amputiert werden.

Bei 12,8 %6 der Menschen mit Typ-1-Diabetes in Deutschland ist laut Schätzungen aktuell ein diabetisches Fußsyndrom diagnostiziert.

Bei 9,8 %6 der Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland ist laut Schätzungen aktuell ein diabetisches Fußsyndrom diagnostiziert.

6) Nervenfunktionsstörungen

Durch Diabetes verursachte Nervenschäden gehören zu den häufigsten Folgeerkrankungen bei Diabetes. Diese Nervenschäden werden diabetische Neuropathie genannt.

Sie entstehen, wenn hohe Blutzuckerwerte die Nerven im Körper dauerhaft schädigen.

Wenn die Nerven geschädigt sind, die Muskeln und Hautempfinden steuern, treten oft die folgenden Beschwerden auf:

  • Schlechtere Wahrnehmung von Berührungen, Temperaturunterschieden oder Schmerzreizen
  • Missempfindungen (wie z. B. Kribbeln)
  • Brennende Schmerzen
  • schwächere Muskeln in den Beinen und ein unsicherer Gang

Wenn die Nerven geschädigt sind, die Organe steuern, treten häufig folgende Beschwerden auf:

  • Herzrhythmusstörungen
  • Übelkeit, Völlegefühl, Durchfall, Verstopfungen
  • Blasenschwäche
  • Erektionsprobleme und gestörtes sexuelles Empfinden

Etwa 50 %7 der Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes bekommen im Laufe ihres Lebens diabetische Neuropathie.

7) Zahnfleischentzündung und Parodontitis

Menschen mit Diabetes haben aufgrund des dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegels ein erhöhtes Risiko für Zahnfleischentzündungen.

Wenn Zahnfleischentzündungen nicht behandelt werden, kann sich die Entzündung vom Zahnfleisch auf den gesamten Zahnhalteapparat (= Kieferknochen und Zahnbett) ausbreiten.

Das wird Parodontitis genannt.

Zahnfleischentzündungen (Z) und Parodontitis (P) können zu folgenden Beschwerden führen

  • Gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch (Z)
  • Zahnfleischbluten (Z)
  • Mundgeruch (Z)
  • Empfindliche Zahnhälse (Z und P)
  • Zahnfleischrückgang (Z und P)
  • Mundgeruch (Z und P)
  • Eiteraustritt (Z und P)
  • Lockere Zähne (Z und P)
  • Veränderung der Zahnstellung (Z und P)
  • Zahnverlust (Z und P)

Für Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes ist das Risiko, an Parodontitis zu erkranken, dreimal höher8 als bei gesunden Menschen.

8) Lungenerkrankungen

Es wird ein Zusammenhang zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes und den folgenden Lungenkrankheiten vermutet:

  • Asthma
  • COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung)
  • Lungenfibrose
  • Lungenhochdruck
  • Lungenkrebs

Die Ursachen für diesen Zusammenhang sind noch nicht genau bekannt.

9) Fettleber

Eine Fettleber entsteht, wenn sich in mehr als 5 % der Leberzellen übermäßig viel Fett ansammelt.

Etwa 40 %9 der Menschen mit Typ-1-Diabetes haben eine Fettleber.

Etwa 70 %10 der Menschen mit Typ-2-Diabetes haben eine Fettleber. Eine Fettleber kann sowohl eine Folge Typ-2-Diabetes sein, als auch dessen Entstehung begünstigen.

10) Sexuelle Funktionsstörungen

Langfristig erhöhte Blutzuckerwerte können bei Männern zu folgenden sexuellen Funktionsstörungen führen:

  • Erektionsstörungen (= Erektile Dysfunktion)
  • Ejakulationsstörungen
  • Orgasmusstörungen

Laut Schätzungen geben 67 %11 der Männer mit Diabetes weltweit an, sexuelle Funktionsstörungen zu haben.

Bei Frauen steht Diabetes im Zusammenhang mit folgenden Beschwerden:

  • Vermindertes sexuelles Verlangen
  • Scheidentrockenheit
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Orgasmusstörungen

Laut Schätzungen geben 59 %11 der Frauen mit Diabetes weltweit an, sexuelle Funktionsstörungen zu haben.

Sexuelle Funktionsstörungen treten häufiger bei Typ-2-Diabetes als bei Typ-1-Diabetes auf.

11) Psychische Störungen

Es besteht ein Zusammenhang zwischen Diabetes und den folgenden psychischen Störungen:

  • Depression / Depressive Verstimmung
  • Essstörungen

Depression / Depressive Verstimmung

Laut Schätzungen sind 10 %12 der Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes von einer Depression betroffen.

Laut Schätzungen sind 25 %12 der Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes von einer depressiven Verstimmung betroffen.

Frauen mit Diabetes erkranken insgesamt häufiger an Depressionen und depressiven Verstimmungen als Männer mit Diabetes.

Essstörungen

Menschen mit Typ-1-Diabetes sind vor allem von folgenden Essstörungen betroffen:

  • Bulimie: Wiederkehrende Essanfälle mit bewusst herbeigeführtem Erbrechen danach
  • Magersucht: Verzerrte Körperwahrnehmung und dadurch starkes Untergewicht
  • Insulin-Purging: Weglassen von Insulin zur Gewichtsabnahme

Laut Schätzungen haben 1–3 %13 der Menschen mit Typ-1-Diabetes aktuell Bulimie. Bulimie ist damit die häufigste Essstörung bei Menschen mit Typ-1-Diabetes.

Menschen mit Typ-2-Diabetes sind vor allem von folgenden Essstörungen betroffen:

  • Binge-Eating-Störung: Wiederkehrende Essanfälle ohne Erbrechen danach
  • Night-Eating-Syndrom: Wiederkehrender nächtlicher Heißhunger mit Essanfällen

Laut Schätzungen haben ca. 5–8 %14 der Menschen mit Typ-2-Diabetes aktuell eine Binge-Eating-Störung. Die Binge

12) Krebs

Krebs ist inzwischen die häufigste Todesursache bei Typ-2-Diabetes mellitus.15
Rund 500.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Krebs. 8,5 Millionen Bundesbürger sind an Diabetes erkrankt, die meisten von ihnen an Diabetes Typ 2.

Nächstes Kapitel:
Diabetes erkennen, Schlaganfall vermeiden
  1. https://www.diabinfo.de/leben/folgeerkrankungen/augen.html
  2. https://www.vorsorge-online.de/magazin/vorsorge-in-zahlen/details/dreifach-erhoehtes-schlaganfall-risiko-bei-diabetes/
  3. https://www.laekh.de/heftarchiv/ausgabe/artikel/2023/juli-august-2023/cme-fortbildung-nierenerkrankung-und-diabetes
  4. https://www.diabinfo.de/leben/folgeerkrankungen/nieren.html
  5. https://www.diabetes-deutschland.de/archiv/archiv_3417.htm#:~:text=(28.10.2005)%20Menschen%20mit%20einem%20Diabetes%20haben%20ein,aller%20Typ%202%20Diabetiker%20an%20einer%20Herz%2DKreislauferkrankung
  6. https://link.springer.com/article/10.1007/s11428-023-01073-w
  7. https://www.diabinfo.de/leben/folgeerkrankungen/nerven.html
    https://www.primomedico.com/de/behandlung/diabetische-neuropathie/#:~:text=Fast%20die%20H%C3%A4lfte%20aller%20Diabetespatienten,oder%20einzelne%20Nerven%20gesch%C3%A4digt%20sind
  8. https://www.diabinfo.de/leben/folgeerkrankungen/zaehne.html
  9. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/bei-diabetes-ein-haeufiges-problem/#:~:text=Typ%2D1%2DDiabetiker%20sind%20seltener,und%20Zirrhose%20des%20Organs%20kommen
  10. https://www.diabinfo.de/leben/folgeerkrankungen/leber.html
  11. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37323562/
  12. https://www.diabinfo.de/leben/folgeerkrankungen/gehirn-und-psyche.html
  13. https://www.diabinfo.de/fachkreise/diabetes-im-alltag/essstoerungen.html#:~:text=Zur%20vorherrschenden%20Essst%C3%B6rung%20bei%20Menschen,von%201%20bis%203%20Prozent
  14. https://www.doccheck.com/de/detail/articles/46188-wenn-essstoerung-auf-diabetes-trifft
  15. https://www.ddg.info/presse/krebs-ist-inzwischen-die-haeufigste-todesursache-bei-typ-2-diabetes-mellitus


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